Wie ich meinen eigenen Weg mit den Bienen gefunden habe
Als ich 2021 mit der Imkerei angefangen habe, habe ich erst einmal ziemlich klassisch gearbeitet: lesen, lernen, erfahrenen Imkern zuhören und vieles so machen, wie es im Lehrbuch steht. Ich hatte nicht den Plan, alles anders zu machen. Im Gegenteil – ich wollte es erst einmal richtig lernen.
Erst nach Lehrbuch. Dann kamen die Fragen.
Mit der Praxis kamen aber Situationen, bei denen ich gemerkt habe: Manche alteingefahrenen Imkerweisheiten liegen zwar im Interesse des Imkers, können für die Bienen im Nachgang aber mehr Probleme verursachen, als sie lösen. Nicht alles, was seit Jahrzehnten gemacht wird, ist deshalb falsch. Aber ich wollte irgendwann nicht mehr nur wissen, was man macht – sondern warum und was die Maßnahme im Volk anschließend auslöst.
Also habe ich angefangen, Routinen bewusst zu hinterfragen. Manche habe ich beibehalten, andere verändert und auf manches verzichte ich heute ganz. Über die Jahre ist daraus kein fertiges System aus einem Buch entstanden, sondern mein eigener Weg mit den Bienen.
Mit den Bienen imkern
Das ist heute mein eigentliches Ziel.
Ich möchte die Bienenvölker unterstützen und ihnen bestmögliche Rahmenbedingungen schaffen. Wenn sich eine ungünstige Situation entwickelt, versuche ich sie früh zu bremsen oder ihr entgegenzuwirken. Wenn ein Eingriff notwendig ist, wird eingegriffen. Wenn die Bienen eine Situation selbst gut regeln, muss ich nicht aus Gewohnheit zusätzlich Unruhe hineinbringen.
Das bedeutet nicht, die Völker einfach sich selbst zu überlassen. Es bedeutet, genauer hinzusehen und eine Maßnahme nicht deshalb durchzuführen, weil sie auf dem Wochenplan steht, sondern weil sie für dieses Volk in dieser Situation sinnvoll ist.
Und der Honig?
Auch hier ist der Ablauf bewusst klar. Ich schleudere zweimal im Jahr: einmal zum Ende der Rapsblüte und ein zweites Mal zum Ende der Robinienblüte. Alles, was die Bienen danach noch eintragen, verbleibt im Volk und dient ihnen als Wintervorrat.
Der geerntete Honig wird nach dem Schleudern direkt in Gläser abgefüllt, etikettiert und zum Verkauf bereitgestellt. Es gibt keinen zugekauften Honig, keine Mischung mit fremden Herkünften und keine lange Zwischenlagerung. Vom Bienenvolk bis zum fertigen Glas bleiben die entscheidenden Schritte bei mir.
Was heute daraus geworden ist
Meine Imkerei ist heute das Ergebnis vieler kleiner Entscheidungen und Beobachtungen aus den vergangenen Jahren. Nicht jede davon ist für immer in Stein gemeißelt. Wenn ich merke, dass etwas besser geht, darf sich die Arbeitsweise weiterentwickeln. Entscheidend ist für mich, dass die Bienen und ihr tatsächlicher Zustand der Ausgangspunkt bleiben – nicht eine Routine nur um der Routine willen.
Wie das im Jahresverlauf konkret aussieht, beschreibe ich unter Haltung & Arbeitsweise.
Von der Honigmanufaktur zu Herr Honig
2026 beginnt der schrittweise Markenwechsel von Honigmanufaktur Ingelheim zu „Herr Honig“. Während der Übergangsphase können Gläser und einzelne Einträge weiterhin den bisherigen Namen tragen. Geändert wird der Name – nicht die Imkerei dahinter.
Warum „Herr Honig“?
Der Name ist bewusst unkompliziert. Am Ende geht es nicht um große Begriffe, sondern um Bienen, eine überschaubare Imkerei und den Honig, der daraus entsteht. Genau das soll „Herr Honig“ in den Mittelpunkt stellen.

Adresse
Uli Müller
Unterböhl 16
55218 Ingelheim am Rhein
